Um 7.30 werden Hermes und sein Kollege im Rettungswagen, Martin Nordemann (40), zu ihrem ersten Einsatz gerufen. Ein Notfall. Noch während dieses Einsatzes klingelt sein Handy. "Daniel, ich habe Wehen, sieh mal zu, dass du kommst", sagt seine Frau. Zur Entbindung ist Ines Vollmer in Bethel angemeldet. Dort hat das Paar Freunde. Die Eltern in spe glauben, noch Zeit zu haben. Die Medizin-Studentin im ersten Semester will unbedingt auf ihren Mann warten.
Hermes und Nordemann fahren ihren Patienten wie vorgesehen. Um 8 Uhr ist der Einsatz beendet. Dann machen sie sich sofort auf den Weg nach Hause. Währenddessen überlegt Thorsten Hess, Leiter des Rettungsdienstes im Bezirk Westfalen-Lippe, wie er Hermes aus dem Dienst herauslösen könnte. Der dauert an diesem Tag eigentlich bis 23 Uhr.
Daheim wird schnell klar: Es eilt. Die Fruchtblase ist geplatzt. Für Bethel bleibt keine Zeit mehr. Nächstes Ziel: das St.-Elisabeth-Hospital. Hermes ruft vorsichtshalber den Notarzt. Das ist in diesem Fall Ludwig Hertz vom St.-Vinzenz-Hospital in Wiedenbrück. Grund zur Panik gibt es nicht. Hermes hat schon sechs Geburten hinter sich, vier im Rettungswagen, zwei in einer Wohnung.
Die Geburt seiner Tochter wird die siebte sein. Die Rettungsassistenten und die Mutter raffen das Nötigste zusammen und fahren mit dem Rettungswagen los. Weit kommen sie nicht. 200 Meter bis zur Kreuzung Oststraße / Carl-Bertelsmann-Straße. Es bleibt keine Zeit mehr. Ines Vollmer: "Schatz, wir schaffen es nicht." Martin Nordemann fährt den Wagen auf den Bürgersteig. Was sie brauchen, haben die Rettungsassistenten an Bord. Der Baby-Notfall-Koffer enthält auch Geburtsbesteck.
Und dann geht alles ganz schnell. Der Notarzt steigt zu. Hermes: "Beim ersten Blick war nichts zu sehen. Beim zweiten Hingucken schien der Kopf schon durch." Die Geburt im Rettungswagen ist eine Sache von wenigen Minuten. Danach ist nicht nur die Mutter verschwitzt, alles sind es. Daniel Hermes: "Es ist schon etwas anderes, wenn es das eigene Kind ist." Ines Vollmer: "Mein Mann ist trotzdem erstaunlich souverän geblieben."
Finja Luisa ist bei der Geburt 52 Zentimeter groß, 3300 Gramm schwer und gesund. Das wird die anschließende Untersuchung im St.-Elisabeth-Hospital ergeben, wo die Fahrt dann doch noch endet. Ines Vollmer und ihre Tochter werden in den Kreißsaal gebracht, wo der Geburtsvorgang mit der Nachgeburt seinen Abschluss findet. Das Personal dort wundert sich noch, dass sich der Rettungsassistent gar nicht verabschiedet und Mutter und Kind nicht von der Seite weicht. Das ist nun vier Wochen her, und Finja Luisa ist nicht nur der Stolz ihrer Eltern, sondern der ganzen großen Malteser-Familie. Bis nach Harsewinkel hat sich dieser einmalige Einsatz von Daniel Hermes herumgesprochen, wo der 35-Jährige in der Band "Trinity" den Bassisten gibt. Auch dort weiß man inzwischen von Finja, dem kleinen "Malteser-Mädchen" aus Gütersloh.
Mit freundlicher Genehmigung der Glocke. Von Redakteur Gerrit Dinkels
Freitag, den 04. Juni 2010 um 13:46 Uhr
Finja, das kleine Malteser-Mädchen Empfohlen
Autor: Administrator
Der 29. September ist ein Dienstag. Als sich sich Daniel Hermes frühmorgens von seiner Frau Ines Vollmer verabschiedet, hat sie schon so ein Gefühl. Die 28-Jährige ist in der 39. Woche schwanger. "Du, es könnte sein . . ."
Daniel Hermes arbeitet als Lehrrettungsassistent bei den Maltesern Gütersloh. Das bedeutet, er darf auch ausbilden. Seit 15 Jahren ist der 35-Jährige dabei, er hat obendrein die Funktion des Hygienebeauftragten. Sein Dienst beginnt um 7 Uhr. Von der Wohnung bis zur Arbeitsstelle, der Malteser-Zentrale an der Oststraße, sind es knapp 300 Meter. Einmal um die Ecke und über die Carl-Bertelsmann-Straße.
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Stadtgeschäftsstelle Gütersloh
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